Der Film „MEDIANERAS“ von Gustavo Taretto hat auch in der Architekturwelt für viel Aufmerksamkeit gesorgt.

Die Intro mit den Bildern von Buenos Aires ist eine Botschaft für alle die gestalten, planen und bauen. Die Architektur wird von Beton, Glas und Stahl dominiert, sie wirkt grau, kalt, abweisend. Sie lässt, wie der Hauptdarsteller Martin im Film feststellt, die Stadt wie einen Zwischenstopp erscheinen – wie einen Ort, an dem man wohnen, aber nicht leben kann.

Gebäude mit einer Vielzahl von Formen und architektonischen Stilen reihen sich aneinander: hohe und niedere, alte und neue, einfache und komplexe, schöne und hässliche – ohne Logik, ohne Sinn, ohne Zusammenhang. Die ganze Stadtplanung erscheint mehr als Zufallsprodukt und weniger als Konzept mit Kriterien.

Besonders deutlich wird diese psychologische Auswirkung der Stadtplanung bei einer Einstellung, in der sich ein Kleinkind mit seinem Dreirad, auf einem vielleicht drei Meter langen Balkon unaufhörlich hin und her bewegt – wie ein im Käfig eingesperrtes Tier.

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In dieser Architektur sieht Martin einen Grund für die hohe Zahl der Familientragödien, Scheidungen, Verbrechen, psychischen Störungen und Selbstmorde.

Die Gesellschaft wirkt machtlos, ideenlos. Ethik, Kultur und moralische Werte verflachen zunehmend und prägen die Lebenseinstellung der Stadtbewohner. Wenn dies ihre Lebenseinstellung ist, wie ist dann die Lebenseinstellung der Architekten, die diese Gebäude planen? Mit welchen Perspektiven, nach welchen Kriterien blicken sie selber in die Zukunft? Wie wollen sie gute Ideen für ihre Projekte entwickeln, wenn sie die Probleme der Gesellschaft nicht erkennen?

„MEDIANERAS“ kann darauf auch keine Antwort geben, der Film gibt aber allen Planern und Gestaltern einen wichtigen Denkanstoß, sich und ihr Schaffen innerhalb der gebauten Umwelt immer wieder kritisch zu hinterfragen.

Und er hebt nicht die Architektur der Gebäude, sondern in erster Linie die Menschen in den Gebäuden hervor, als die Hauptdarsteller innerhalb ihrer eigenen vier Wände.

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